Sicheres Fliegen braucht gesichertes Personal an den Flughäfen!

...denn Flugsicherheit beginnt am Boden.

Damit Fliegen sicher bleibt: eine bundesweite ver.di Initiative für existenzsichernde, die Gesundheit der Beschäftigten und die Flugsicherheit erhaltende Arbeitsbedingungen im Bodenverkehrsdienst an den deutschen Verkehrsflughäfen.

ver.di zieht mit dieser Initiative die Konsequenzen aus den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage unter rund 2.000 Branchenbeschäftigten an deutschen Flughäfen. Darin beklagten 83 Prozent der Befragten, dass die Arbeit in den Bodenverkehrsdiensten nicht existenzsichernd sei – eine Folge von Befristungsquoten von bis zu 40 Prozent, Leiharbeit sowie Arbeit auf Abruf. Daraus resultiert eine hohe Fluktuation unter den Beschäftigten, in deren Folge neue Kollegen oft nicht ausreichend eingearbeitet oder weiterqualifiziert würden (84 Prozent). 72 Prozent gaben an, dass Sicherheits- und Qualitätsvorgaben aufgrund des Arbeitsdrucks oft nicht eingehalten werden können und nur sieben Prozent können sich vorstellen, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Rentenalter ihren Beruf ausüben zu können.

Wie konnte es in einem so hoch sensiblen Risikobereich wie dem Bodenverkehrsdienst an Flughäfen so weit kommen?
Durch die von der Europäischen Union vorgeschriebene Marktliberalisierung kam es zu einem zunehmenden Wettbewerb zwischen privaten und öffentliche Anbietern (Flughäfen) um die Abfertigungsaufträge der Fluggesellschaften.
Alle Fluggesellschaften, für die die Unternehmen ihre Dienste erbringen, spielen diese beim Rennen um die Marktanteile gegeneinander aus.

Ein zunehmend erbarmungsloser Absenkungswettbewerb um die niedrigsten Lohnkosten; die geringsten Qualifikationskosten und den knappsten Personaleinsatz wurde so in Gang gesetzt.
Die Folge: von immer weniger Personal, das immer unzureichender ausgebildet ist, müssen immer mehr sicherheitsrelevante Aufgaben übernommen werden. In immer weniger Zeit. Für immer weniger Geld. Bis zu 30% Einkommensunterschiede mussten die Beschäftigten in den outgesourcten Tochterunternehmen der Flughäfen und bei privaten Anbietern hinnehmen. So wird,- ausgelöst durch den Preisdruck der Airlines auf die Anbieter der Bodenverkehrsdienstleistungen- Sozialdumping belohnt und sozial verantwortlichere Arbeitgeber werden abgestraft.

Je mehr die so genannten Billigfluggesellschaften wie etwa Ryanair auf den deutschen Markt drängen, desto größer wird auch in naher Zukunft der jetzt schon nicht mehr verantwortbare Preisdruck auf die Bodenverkehrsdienste.

Wollen wir als Verbraucher das wirklich? Wollen wir als starke Volkswirtschaft in einer kritischen Infrastrukturbranche eine wachsende Zahl von Menschen beschäftigen, die von ihrem Einkommen allein vielleicht nicht mehr leben können? Fliegen ist eine äußert komplexe Wertschöpfungskette, an der unzählige Firmen beteiligt sind. Diese Dienstleistung sollte uns daher auch etwas wert sein.“
…schreibt Jens Koenen im Handelsblatt am 2. März 2017.

Im ersten Quartal 2017 hat ver.di deshalb in einem ersten Schritt in eng abgestimmten Haustarifverhandlungen bei Dienstleistern und Flughafentöchtern an den Flughäfen Stuttgart, Düsseldorf, Köln, Berlin, Hamburg und Frankfurt Lohnerhöhungen zwischen mind. 8% und bis zu 20% durchgesetzt. Dies war und bleibt notwendig, um die unerträgliche Lücke zwischen den alten, existenzsichernden Bedingungen des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes und den neuen Dumpinglöhnen abzumildern. Und auch im Sommer 2017 noch werden wir in weiteren eng abgestimmten Haustarifverhandlungen dringend benötige Lohnerhöhungen erstreiten.

Das ist ein großer Erfolg für viele Beschäftigte in den jeweiligen Unternehmen, der nur durch den mutigen und entschlossenen Einsatz hunderter von ver.di Mitgliedern erreicht worden ist.
Immer mehr Beschäftigte sagen und zeigen nun laut und deutlich:
Der Verantwortung, die wir im Bodenverkehrsdienste tragen, muss deutlich besser Rechnung getragen werden.
Die Geschäftsführungen der Bodenverkehrsdienstleister müssen vernünftige Abfertigungspreise gegenüber den Fluggesellschaften durchsetzen.
Jede Airline, die unsere Flughäfen anfliegen will, muss bereit sein, entsprechend dafür zu zahlen, damit Fliegen Sicher bleibt. Denn Bodenverkehrsdienstleistungen sind kein Ramschprodukte, sondern hochwertige und sicherheitsrelevante Dienstleistungen. Sie werden unter schwierigsten Herausforderungen und Bedingungen erbracht.

In Haustarifverhandlungen die Gehälter anzuheben ist deshalb ein notwendiger, aber nicht hinreichender Schritt zur Stabilisierung der Branche.
Denn solange noch kein für alle verbindlicher Branchentarifvertrag existiert, gibt es immer noch Dienstleister, die ihre Beschäftigten ohne Tarifvertrag mit Mindestlöhnen abspeisen und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Als Beispiel sei hier etwa die Aviation Handling Services in Frankfurt und Hannover genannt.
Hinzu kommt: Überall immer noch noch ungelöst sind die Probleme des Arbeitsdrucks, der mangelnden Qualifikation, der prekären Arbeit. Nach wie vor herrschen bei nahezu allen Bodenverkehrsdiensten hohe Leiharbeits- und Befristungsquoten. Auch die oft sicherheitsgefährdende Unterbesetzung ist für die Beschäftigten und die Passagiere nicht länger zu verantworten. Wenn wir nur in einzelnen Unternehmen durch Haustarifverhandlungen Lösungen für diese Probleme durchsetzen, gerieten diese Unternehmen dadurch in einen Wettbewerbsnachteil

Die Süddeutsche Zeitung meint dazu am 14. März 2017:
„Was tun? Die Flughäfen argumentieren damit, unter welchem Druck sie stehen. Die Fluggesellschaften drohen jedem einzelnen von ihnen damit, auf andere Airports auszuweichen, sollten sie ihnen zu teuer werden. So lässt sich Düsseldorf gegen Münster-Osnabrück ausspielen, Berlin gegen Hamburg oder Dresden, et cetera. Das kennt man aus vielen Branchen: dass Kunden permanent Lieferanten suchen, die es noch etwas billiger machen. Dort gibt es oft jedoch ein Mittel dagegen: Branchentarifverträge. Sie bewirken, dass die Arbeitsbedingungen bei allen gleich sind - und der Wettbewerb über Qualität und Service statt über Löhne ausgetragen wird.“
Quelle: SZ: „Abgefertigt“: Warum das Bodenpersonal an den Flughäfen streikt. http://www.sueddeutsche.de/politik/flugverkehr-abgefertigt-1.3417812

Damit fliegen sicher bleibt, fordert ver.di deshalb alle Unternehmen zum Abschluss eines Branchentarifvertrages auf, um so die Arbeitsbedingungen dem Preisdruck zu entziehen und die Branche für die Zukunft abzusichern.

Ziel dieses Branchentarifvertrages ist es, zugleich
- eine hohe Qualität der Dienstleistungen,
- existenzsichernde Gehälter,
- gemeinsame Qualifikationsstandards und
- gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen sicher zu stellen.
Nur dadurch können Sicherheitsstandards für Passagiere und Beschäftigte eingehalten, dem demographischen Wandel in den Bodenverkehrsdiensten Rechnung getragen sowie zukünftige Dauerkonflikte in dieser Branche vermieden werden.

Nach dem ver.di seit mehreren Jahren sowohl die öffentlichen als auch die privaten Arbeitgeber zu Verhandlungen aufgefordert hat, ist es am 3. 2017 August gelungen, sich auf die Absichtserklärung für den Einstieg in Verhandlungen zu einigen.
Diese Absichtserklärung steht jedoch noch unter Gremienvorbehalt. ver.di hofft auf den zeitnahen Einstieg in produktive Verhandlungen, um die Branche zeitnah zu stabilisieren.
Angesichts verschollener Koffer, vermehrt ausfallenden Flügen und langen Warteschlangen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Bremen (https://www.verdi-airport.de/120) zahlen nun auch vermehrt die Passagiere den Preis für die schlechten Arbeitsbedingungen im BVD. Denn: zu den aktuellen Bedingungen sind immer weniger Beschäftigte bereit, ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Der Bodenverkehrsdienst kann daher mit einem existenzsichernden neuen Standard auch das akute Problem des Fachkräftemangels beheben.
Damit fliegen sicher bleibt.


Ihre/Eure Vertreter und Vertreterinnen im bundesweiten ver.di Tarifausschuss des Bodenverkehrsdienstes an Flughäfen:

Murat Ucar, Flughafen München


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Kollegen und Kolleginnen im BVD, weil sie unter sehr hohen Belastungen arbeiten müssen und ständig Gefahren, die z.T. das Leben von Beschäftigte und Passagiere bedroht, ausgesetzt sind.

Ich setze mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit Qualität vor Quantität kommt. Es müssen bundesweit die gleichen Standards für Qualifikation, Arbeits- und Gesundheitsschutz, sowie Bezahlung gelten. Die harte Arbeit im BVD muss endlich geregelt und gerecht entlohnt werden und dafür werde ich immer kämpfen!"

Hakan Bölükmese, Fraport Frankfurt


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil die Belastungen und Arbeitsbedingungen stetig zunehmen ohne, dass ein Ende in Sicht ist.

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit die wettbewerbsorientierten Maßnahmen nicht zu Lasten der Beschäftigten im BVD gehen. Die Belegschaften müssen wieder zusammengeführt werden und dafür brauch es einheitliche Standards."

Michael Batog, Swissport Losch München


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil die Arbeitsverdichtung und Belastung so extrem geworden ist, dass bei meinen Kollegen und Kolleginnen das Erreichen der Rente immer unwahrscheinlicher wird.

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit die Arbeitsplätze wieder menschengerecht werden."

Özgür Yalcinkaya, APS Frankfurt


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil die gesundheitlichen Risiken nicht zu unterschätzen sind! Denn ein sicherer Arbeitsplatz bedeutet auch eine geringere Krankenquote.

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit Arbeit nicht zum Gesundheitsrisiko wird. Bei gleicher Arbeit sollte gleicher Lohn eine Selbstverständlichkeit sein."

André Fernitz, AGS Berlin


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil die körperlichen und die psychischen Belastungen, die prekäre Beschäftigung und der Preisdruck der Airlines seit der Einführung der Liberalisierung ständig zugenommen haben.

Ich setze mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit es eine schnelle, mittelfristige und langfristige Perspektive und Anerkennung für unsere Tätigkeiten im Bodenverkehrsdienst gibt, die sich in Lohn, Sozialstandards und Gesundheitssschutz ausdrücken sollen."

Hayri Yilmaz, Aviapartner Düsseldorf


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Kollegen und Kolleginnen im BVD, weil sie unter sehr hohen Belastungen arbeiten und ständig mit Untersetzung kämpfen müssen.

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit sich die Arbeitsbedingungen der BVD-Kollegen endlich wieder verbessern! Die harte Arbeit im BVD muss endlich geregelt und gerecht entlohnt werden und dafür werde ich immer kämpfen!"

Ralf Schacht, AGS Hannover


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil einhergehend mit fehlenden Perspektiven, die gesundheitlichen und sozialen Belastungen meiner Kollegen und Kolleginnen ein kritisches Maß angenommen hat.

Ich setze mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit die Konkurrenz um Abfertigungsaufträge nicht weiter zu Lasten meiner Kollegen und Kolleginnen geht!"

Britta Fengler, AHS Hamburg


"Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit der Beschäftigten und deren Sicherheit, weswegen ich mich im bundesweiten Tarifausschuß dafür einsetze, dass die Mindesstandarts von uns vorgegeben werden und nicht von den Airlines. Damit eine vernünftige und sichere Abfertigung gewährleistet werden kann. Der Kosten- und Zeitdruck durch die Airlines darf sich nicht weiter ausbreiten.Eine gute Abfertigung kann nur bei genügend personeller Besetzung und bei gerechter Bezahlung erfolgen. Dann kann auch wieder die Sicherheit der Passagiere hergestellt werden. Aufträge sollten nicht an den billigsten Handlingsagenten vergeben werden sondern an den besseren. Durch einheitliche Mindesstandards würden unsere Arbeitsbedingungen sich verbesseren und man könnte von seinem Lohn auch wieder leben."

Peter Stobbe, AHS Hannover


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil die Kostendrückerei der Airlines und die damit verbundene, fast gefährlich gewordene Arbeitsverdichtung an die physische und psychische Substanz der Kollegen geht!

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit die Abwärts-Spirale der Arbeitsbedingungen im BVD gestoppt wird und es mit unseren Jobs endlich wieder aufwärts geht!"

Kurt Tauber, Flughafen Stuttgart


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil durch den zunehmenden Leistungsdruck und der zunehmenden Arbeitsverdichtung der Mensch auf der Strecke bleibt

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit dem Lohndumping und den prekären Arbeitsverhältnissen im BVD Einhalt geboten wird und dass für gute Arbeit ein gerechter Lohn gezahlt wird."

Frank Vollbrecht, Flughafen Dresden/Halle/Leipzig


"Ich mache mir Sorgen um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten im BVD, weil die Anpassung an immer neue Arbeitszeitmodelle und Arbeitsbedingungen die Balance zwischen Arbeit und Leben zu einer Rutschpartie auf schiefer Ebene werden lässt.

Ich setzte mich für bundesweite Standards im BVD ein, damit der Ort auf den Vorfeldern Qualität heißt und nicht Billigheim."