Sicheres Fliegen braucht gesichertes Personal an den Flughäfen!

...denn Flugsicherheit beginnt am Boden.

Damit Fliegen sicher bleibt: eine bundesweite ver.di Initiative für existenzsichernde, die Gesundheit der Beschäftigten und die Flugsicherheit erhaltende Arbeitsbedingungen im Bodenverkehrsdienst an den deutschen Verkehrsflughäfen.

ver.di zieht mit dieser Initiative die Konsequenzen aus den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage unter rund 2.000 Branchenbeschäftigten an deutschen Flughäfen. Darin beklagten 83 Prozent der Befragten, dass die Arbeit in den Bodenverkehrsdiensten nicht existenzsichernd sei – eine Folge von Befristungsquoten von bis zu 40 Prozent, Leiharbeit sowie Arbeit auf Abruf. Daraus resultiert eine hohe Fluktuation unter den Beschäftigten, in deren Folge neue Kollegen oft nicht ausreichend eingearbeitet oder weiterqualifiziert würden (84 Prozent). 72 Prozent gaben an, dass Sicherheits- und Qualitätsvorgaben aufgrund des Arbeitsdrucks oft nicht eingehalten werden können und nur sieben Prozent können sich vorstellen, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Rentenalter ihren Beruf ausüben zu können.

Im Sommer 2017 kam es erstmals zum so genannten "Kofferchaos" an vielen deutschen Verkehrsflughäfen, da in der Branche hunderte von Arbeitsplätzen wegen der schlechten Bedingungen nicht besetzt sind. Hierzu hat das Magazin Capital im Februar 2018 recherchiert: https://www.verdi-airport.de/187

Wie konnte es in einem so hoch sensiblen Risikobereich wie dem Bodenverkehrsdienst an Flughäfen so weit kommen?
Durch die von der Europäischen Union vorgeschriebene Marktliberalisierung kam es zu einem zunehmenden Wettbewerb zwischen privaten und öffentliche Anbietern (Flughäfen) um die Abfertigungsaufträge der Fluggesellschaften.
Alle Fluggesellschaften, für die die Unternehmen ihre Dienste erbringen, spielen diese beim Rennen um die Marktanteile gegeneinander aus.

Ein zunehmend erbarmungsloser Absenkungswettbewerb um die niedrigsten Lohnkosten; die geringsten Qualifikationskosten und den knappsten Personaleinsatz wurde so in Gang gesetzt.
Die Folge: von immer weniger Personal, das immer unzureichender ausgebildet ist, müssen immer mehr sicherheitsrelevante Aufgaben übernommen werden. In immer weniger Zeit. Für immer weniger Geld. Bis zu 30% Einkommensunterschiede mussten die Beschäftigten in den outgesourcten Tochterunternehmen der Flughäfen und bei privaten Anbietern hinnehmen. So wird,- ausgelöst durch den Preisdruck der Airlines auf die Anbieter der Bodenverkehrsdienstleistungen- Sozialdumping belohnt und sozial verantwortlichere Arbeitgeber werden abgestraft.

Je mehr die so genannten Billigfluggesellschaften wie etwa Ryanair auf den deutschen Markt drängen, desto größer wird auch in naher Zukunft der jetzt schon nicht mehr verantwortbare Preisdruck auf die Bodenverkehrsdienste.

Wollen wir als Verbraucher das wirklich? Wollen wir als starke Volkswirtschaft in einer kritischen Infrastrukturbranche eine wachsende Zahl von Menschen beschäftigen, die von ihrem Einkommen allein vielleicht nicht mehr leben können? Fliegen ist eine äußert komplexe Wertschöpfungskette, an der unzählige Firmen beteiligt sind. Diese Dienstleistung sollte uns daher auch etwas wert sein.“
…schreibt Jens Koenen im Handelsblatt am 2. März 2017.

Immer mehr Beschäftigte sagen und zeigen nun laut und deutlich:
Der Verantwortung, die wir im Bodenverkehrsdienste tragen, muss deutlich besser Rechnung getragen werden.
Die Geschäftsführungen der Bodenverkehrsdienstleister müssen vernünftige Abfertigungspreise gegenüber den Fluggesellschaften durchsetzen.
Jede Airline, die unsere Flughäfen anfliegen will, muss bereit sein, entsprechend dafür zu zahlen, damit Fliegen Sicher bleibt. Denn Bodenverkehrsdienstleistungen sind kein Ramschprodukte, sondern hochwertige und sicherheitsrelevante Dienstleistungen. Sie werden unter schwierigsten Herausforderungen und Bedingungen erbracht.

ver.di hat in den letzten Jahren durch Haustarifverhandlungen die Gehälter angehoben. Dies ist ein notwendiger, aber nicht hinreichender Schritt zur Stabilisierung der Branche.
Denn solange noch kein für alle verbindlicher Branchentarifvertrag existiert, gibt es immer noch Dienstleister, die ihre Beschäftigten ohne Tarifvertrag mit Mindestlöhnen abspeisen und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Als Beispiel sei hier etwa die Aviation Handling Services in München und Bremen genannt.

Hinzu kommt: Überall immer noch noch ungelöst sind die Probleme des Arbeitsdrucks, der mangelnden Qualifikation, der prekären Arbeit. Nach wie vor herrschen bei nahezu allen Bodenverkehrsdiensten hohe Leiharbeits- und Befristungsquoten. Auch die oft sicherheitsgefährdende Unterbesetzung ist für die Beschäftigten und die Passagiere nicht länger zu verantworten. Wenn wir nur in einzelnen Unternehmen durch Haustarifverhandlungen Lösungen für diese Probleme durchsetzen, gerieten diese Unternehmen dadurch in einen Wettbewerbsnachteil

Die Süddeutsche Zeitung meint dazu am 14. März 2017:
„Was tun? Die Flughäfen argumentieren damit, unter welchem Druck sie stehen. Die Fluggesellschaften drohen jedem einzelnen von ihnen damit, auf andere Airports auszuweichen, sollten sie ihnen zu teuer werden. So lässt sich Düsseldorf gegen Münster-Osnabrück ausspielen, Berlin gegen Hamburg oder Dresden, et cetera. Das kennt man aus vielen Branchen: dass Kunden permanent Lieferanten suchen, die es noch etwas billiger machen. Dort gibt es oft jedoch ein Mittel dagegen: Branchentarifverträge. Sie bewirken, dass die Arbeitsbedingungen bei allen gleich sind - und der Wettbewerb über Qualität und Service statt über Löhne ausgetragen wird.“
Quelle: SZ: „Abgefertigt“: Warum das Bodenpersonal an den Flughäfen streikt. http://www.sueddeutsche.de/politik/flugverkehr-abgefertigt-1.3417812

Damit fliegen sicher bleibt, fordert ver.di deshalb alle Unternehmen zum Abschluss eines Branchentarifvertrages auf, um so die Arbeitsbedingungen dem Preisdruck zu entziehen und die Branche für die Zukunft abzusichern.

Ziel dieses Branchentarifvertrages ist es, zugleich
- eine hohe Qualität der Dienstleistungen,
- existenzsichernde Gehälter,
- gemeinsame Qualifikationsstandards und
- gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen sicher zu stellen.
Nur dadurch können Sicherheitsstandards für Passagiere und Beschäftigte eingehalten, dem demographischen Wandel in den Bodenverkehrsdiensten Rechnung getragen sowie zukünftige Dauerkonflikte in dieser Branche vermieden werden.

Nach dem ver.di seit mehreren Jahren sowohl die öffentlichen als auch die privaten Arbeitgeber zu Verhandlungen aufgefordert hat, ist es am 3. 2017 August gelungen, sich auf die Absichtserklärung für den Einstieg in Verhandlungen zu einigen.
Diese Absichtserklärung steht jedoch noch unter Gremienvorbehalt. ver.di hofft auf den zeitnahen Einstieg in produktive Verhandlungen, um die Branche zeitnah zu stabilisieren.
Angesichts verschollener Koffer, vermehrt ausfallenden Flügen und langen Warteschlangen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf und Bremen (https://www.verdi-airport.de/120) zahlen nun auch vermehrt die Passagiere den Preis für die schlechten Arbeitsbedingungen im BVD. Denn: zu den aktuellen Bedingungen sind immer weniger Beschäftigte bereit, ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Der Bodenverkehrsdienst kann daher mit einem existenzsichernden neuen Standard auch das akute Problem des Fachkräftemangels beheben.
Damit fliegen sicher bleibt.


Ihre/Eure Vertreter und Vertreterinnen im bundesweiten ver.di Tarifausschuss des Bodenverkehrsdienstes an Flughäfen:


"Ich setze mich ein und übernehme Verantwortung für einen Bundesweiten Brachen-Tarifvertrag in den Bodenverkehrsdiensten, ..."

Michael Batog, Swissport-Losch MUC

"... weil ich mir und den Passagieren lange Warteschlangen, Kofferchaos und unpünktliche Flüge ersparen will. Wir werden nur genug Personal finden, wenn die Arbeitsbedingungen sich verbessern."

Björn Jaeschke, WISAG Berlin

"... weil wir viel mehr erreichen können, wenn wir mit einer Stimme sprechen."

Niko Nikolaou, Flughafen CGN

".... weil ich weiß: auch Passagiere wollen weiterhin sicher fliegen."

Ralf Schacht, AGS Hannover

"... weil 84% aller Beschäftigten in der Passagier- und Gepäckabfertigung das gleiche
denken wie ich: Unsere Einkommensverhältnisse sind nicht akzeptabel. Arbeit darf nicht arm machen."

Hakan Bölükmese, Fraport FRA

"... weil die niedrigeren Lohnniveaus von Wettbewerbern die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes (TVÖD) bedrohen. Nur, wenn die Beschäftigten der Konkurrenz mehr verdienen als jetzt, lässt auch der Druck auf meine Arbeitsbedingungen nach."

Roy Kleemann, Flughafen HAM

"... weil wir ein tarifliches Recht auf Qualifikation und Weiterentwicklung im Unternehmen brauchen. Dann haben die Beschäftigten eine berufliche Perspektive im Unternehmen und es kann nicht mehr auf Kosten unserer Gesundheit gespart werden."

Mehmet Sener, AHS FRA

"... weil wir Regeln brauchen, die unsere Gesundheit erhalten. Nur 7% meiner Kolleginnen und Kollegen können sich vorstellen, unter den jetzigen Bedingungen ihren Job gesund bis zur Rente zu machen."

Sven Ebeling, AHS DUS

"... weil bei der jetzigen Entlohnung ich und meine Kolleginnen und Kollegen von Altersarmut betroffen sein werden."

Hayri Yilmaz, Aviapartner DUS

"... weil für 83% der Beschäftigten die Arbeit in den Bodenverkehrsdiensten nicht existenzsichernd ist – eine Folge von niedrigen Löhnen, Befristungsquoten von bis zu 40%, Leiharbeit sowie Arbeit auf Abruf und Kapovaz."

Werner Breidenstein, Flughafen NUE

"... weil nur dadurch den Airlines ein Riegel vorgeschoben werden kann. Es geht einfach nicht noch billiger, ohne unsere Gesundheit zu ruinieren und die Flugsicherheit zu gefährden."

Kurt Tauber, Flughafen STR

"... weil 69% aller Beschäftigten in der Gepäckabfertigung regelmäßig unter Rückenschmerzen leiden. Der Personalmangel verschlimmert die ohnehin körperlich anstrengende Belastung zusätzlich."

Stefan Hoheisel, AHS HAJ

"... weil endlich Schluss sein muss mit der Lohnspirale nach unten - wir fordern gerechte auskömmliche Gehälter für Alle."

Ralf Krüger, Flughafen MUC

"... weil 72% alle Beschäftigten in der Gepäck- und Passagierabfertigung erleben, dass durch den Personalmangel oft Sicherheits- und Qualitätsstandards nicht eingehalten werden können."

Mark Britz, WISAG CGN

"... weil die häufige Befristung vieler Kolleginnen und Kollegen zu unsicherer Lebensplanung führt und unsere Arbeitsplätze unattraktiv macht. Gegen den akuten Personalmangel helfen nur unbefristete, existenzsichernde Arbeitsplätze. "

Uwe Kmoch, FDGHG Flughafen DUSS

"... weil die Ausbreitung von Lowcost- Airlines den Bodenverkehrsdienst noch weiter unter Druck setzen wird. Je billiger die Flugtickets werden, desto weniger sind die Airlines bereit, für unsere Arbeit zu zahlen. Nur, wenn wir alle das gleiche fordern, sind wir davor geschützt."

Behrad Ghofrani, WISAG FRA

"... weil die Kostendrückerei der Airlines zu einer Arbeitsverdichtung führt, die an die physische und psychische Substanz der Kollegen und Kolleginnen geht. Nur bundesweite Standards, die überall gleich gelten, können die Abwärtsspirale stoppen. Dann geht es auch wieder aufwärts!"

Murat Ucar, Aeroground MUC

"... weil wir Regeln brauchen, die unsere Arbeitsplätze und unsere Tarifverträge schützen, wenn unser Unternehmen eine Lizenz oder einen Auftrag verliert."

Devrim Arslan, Fraground FRA

"... weil unsere Belastung zu wenig respektiert und entlohnt wird. Für niedrige Löhne
müssen meine Kollegen bei 40 Grad im Sommer und Eiseskälte im Winter auf dem Rollfeld schwerste Gepäckstücke im Akkord aus Urlaubsfliegern wuchten."

Riza Turga, Flughafen CGN

"... weil endlich wieder Qualität vor Quantität kommen muss. Es müssen bundesweit die gleichen Standards für Qualifikation, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Bezahlung gelten. Die harte Arbeit im Bodenverkehrsdient muss fairer geregelt und gerecht entlohnt werden."

Lutz Welzel, AHS CGN

"... weil wir Lösungen brauchen für erzwungene Teilzeit. Viele von uns arbeiten viel mehr als in ihrem Vertrag steht - aber wenn es mal ruhiger ist in der Firma, werden wir nach hause geschickt."

Raymond Morales, AGSB Berlin

"... weil das Risiko für Fehlbeladungen steigt, wenn die Maschinen z.B. unter hohem Zeitdruck von Menschen beladen werden, die erst wenige Wochen und weitgehend unqualifiziert ihren Job machen – oder grundlegende Sicherheitsbestimmungen bzw. Anweisungen sprachlich nicht verstehen."

Özgür Yalcinkaya, Fraground FRA

"... weil der aktuelle Personalmangel die Sicherheit gefährden kann. Früher mussten wir höchstens acht Flugzeuge pro Tag abfertigen. Heute sind es öfter auch mal zwölf. Durch die Belastung steigt die Gefahr von Flüchtigkeitsfehlern."

Beate Schneider, Flughafen FMO

"... weil 78% aller Beschäftigten in der Gepäck- und Passagierabfertigung darunter leiden, dass ihr Arbeitgeber kaum Maßnahmen für ihren Gesundheitsschutz anbietet."

Mavridis Efstathious, Fraport FRA

"... weil die Politik in der EU und Deutschland immer mehr Anbieter auf den Flughäfen zulässt. Das führt dann zu weiterer Konkurrenz, weil die neuen Unternehmen noch keinen Tarifvertrag haben. Wenn ein Tarifvertrag für alle gilt, müssen ihn auch neue Unternehmen zahlen. Das schützt mich und die Beschäftigten dort gleichzeitig."

Thomas Reber, Losch STR

"... weil die Branche boomt wie nie. Wir fertigen heute 25% mehr Passagiere ab als vor 10 Jahren. Die Profite steigen. Davon holen wir uns nun unseren gerechten Anteil."

Britta Fengler, AHS HAM

"... weil Kolleginnen und Kollegen von ihrer Arbeit leben können müssen, ohne dass ihnen der Gang zum Sozialamt droht oder sie einen Zweitjob annehmen müssen."

René Sell, Aeroground Berlin

"... weil es nicht teuer ist, uns existenzsicher zu entlohnen. Die Kosten der Passagier- und Gepäckabfertigung an einem Airline-Ticket machen durchschnittlich 10 % aus. Unser Lohnanteil liegt bei einem 100 € Ticket gerade einmal bei 0,88€. Eine Gehaltserhöhung von etwa 15% (das sind 1 € mehr die Stunde) würde zum Beispiel nur 1,50 € mehr pro Ticket kosten. Das sollte uns sicheres Fliegen Wert sein."