Vorfeld-Arbeiter wollen besser bezahlt werden

04.10.2018 | Frankfurter Allgemeine Rhein-Main-Zeitung

04.10.2018 | Frankfurter Allgemeine Rhein-Main-Zeitung | Seite 36

Vorfeld-Arbeiter wollen besser bezahlt werden
Gewerkschaft: Qualifiziertes Personal kaum noch zu finden / Protestaktion am Flughafen
Vorfeld-Arbeiter wollen besser bezahlt werden
Gewerkschaft: Qualifiziertes Personal kaum noch zu finden / Protestaktion am Flughafen
An großen Verkehrsflughäfen in Deutschland, Europa und darüber hinaus haben am Dienstag gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Zur Kundgebung am Frankfurter Flughafen hatte die Gewerkschaft Verdi Politiker der im Landtag vertretenen Parteien eingeladen. Sie sollten sich die Forderungen der Männer und Frauen anhören, die auf dem Vorfeld Flugzeuge be und entladen, bei Sicherheitskontrollen eingesetzt sind und Passagiere mit Handicap ins Flugzeug begleiten.
Hakan Bölükmese, Gruppenleiter im Bodenverkehrsdienst bei der Fraport AG und Betriebsrat, befürchtet, dass seine Kollegen auch in Zukunft mit Absenkungen ihrer ohnehin oft knappen Entgelte rechnen müssten, weil die EU eine weitere Liberalisierung des Marktes betreibe - mit dem Ziel, immer mehr Anbieter dieser Dienste auf Flughäfen zuzulassen.
Tatsächlich betreiben Airlines, darunter die Lufthansa, in Brüssel seit Jahren Lobbyarbeit in dieser Sache, weil sie hoffen, Dienstleistungen dann billiger einkaufen zu können. Nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter werden deshalb immer mehr Gesellschaften ausgegründet, die nicht mehr tarifgebunden seien. Für Bölükmese sind daher ein Ausgründungsverbot und ein Branchentarifvertrag die Mit tel der Wahl, um eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen am Flughafen zu verhindern. Andere Betriebsräte berichteten, dass auch der Frankfurter Dienstleister Wisag eine nicht tarifierte Tochter betreibe, um die Flugzeuge des Billigfliegers Ryanair zu den Preisen beund entladen zu können, die die Iren bereit seien zu zahlen.
Zudem täten sich Firmen immer schwerer, überhaupt noch qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Denn gut ausgebildete Frauen und Männer seien für die harte, aber schlecht bezahlte Arbeit nicht mehr zu bekommen. Das habe zur Folge, dass Mitarbeiter ohne die erforderliche Qualifikation und mit oft zu geringen Sprachkenntnissen mit sicherheitsrelevanten Tätigkeiten betraut würden.
Das gehe direkt zu Lasten der Sicherheit am Flughafen.
Nach Worten von Katharina Wesenick, Bundestarifsekretärin für Flughäfen bei Verdi, fehlt in vielen Fällen die Wertschätzung für die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste. Das drücke sich auch in einer willkürlich unterschiedlichen Bezahlung für dieselbe Tätigkeit aus. Die Stundenlöhne reichten von 9,20 Euro bis 15 Euro. In Ballungsräumen könne man davon kaum leben. Die anwesenden Landespolitiker, darunter Thorsten Schäfer-Gümbel von der SPD, Janine Wissler von der Partei Die Linke, Bodo Pfaff-Greiffenhagen von der CDU und Kaya Kinkel von den Grünen, äußerten Verständnis für den Protest und sicherten Unterstützung zu. jor.
In Sorge: Die Mitarbeiter fürchten, dass unter schlechten Arbeitsbedingungen die Sicherheit am Flughafen leidet. Foto Cornelia Sick

Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert