Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
In den vergangenen Monaten haben wir die Tarifverhandlungen über den bundesweiten
Branchentarifvertrag für die Bodenverkehrsdienste an den deutschen Flughäfen weiter
fortgesetzt. Aktuell streiten wir über die neue Vergütungstabelle und die Bezahlung der
verschiedenen Tätigkeiten auf dem Vorfeld, in der Passage und den anderen Bereichen der
Unternehmen.

An fast allen Flughäfen werden händeringend Beschäftigte von den BVD-Unternehmen gesucht.
Dabei greifen die Unternehmen zu teilweise seltsamen Mittel. Da werden Kopfgelder für
Beschäftigte gezahlt, die andere anwerben. Neu Eingestellte bekommen Startprämien, wenn sie
anfangen und dabeibleiben. Es werden Anwesenheitsprämien gezahlt, wenn man nicht krank
ist und zur Arbeit kommt. Viel Geld wird so dafür bezahlt um Kolleg*innen für die Arbeit am
Flughafen zu gewinnen.

Geld, das aus unserer Sicht sinnvoller ausgegeben werden kann. Gute Arbeitsbedingungen,
dauerhaft faire Löhne und gesundheitsfördernde Maßnahmen könnten viel besser sein, die
Arbeit im BVD wieder attraktiver zu gestalten. Geld das hier sinnvoll investiert wäre. Deshalb
fordern wir deutlich höhere Löhne!

In den laufenden Tarifverhandlungen ist diese Erkenntnis jedoch noch nicht ausreichend bei den
Arbeitgebern angekommen. Auch zukünftig sollen die Einstiegslöhne nur knapp über dem
gesetzlichen Mindestlohn liegen. Die schweren, belastenden und verantwortungsvollen
Tätigkeiten in den Bodenverkehrsdiensten, von denen die Sicherheit hunderter Passagiere
abhängen, wird nicht ausreichend wertgeschätzt, deshalb streiten wir uns weiter. Wir streiten
bei jeder Tätigkeit im Einzelnen, wie sie angemessen zu bezahlen wäre.

Was wir brauchen sind Löhne, mit denen man ohne Aufstockung auch in Großstädten die Miete
bezahlen kann. Wir brauchen Löhne, die ein Abgleiten in die Altersarmut nach Rentenbeginn
verhindern. Wir wollen persönliche Entwicklungsmöglichkeiten für alle Beschäftigten über
Höhergruppierungen erreichen, wenn sie sich qualifizieren. Die künftige Bezahlung muss sich
daran orientieren, was in anderen, konkurrierenden Bereichen am Flughafen, zum Beispiel in der
Luftsicherheitskontrolle, gezahlt wird.

Die Arbeitgeber lehnen es für den bundesweiten Branchentarifvertrag weiterhin ab, soziale
Sicherheit für die Beschäftigten bei Auftragswechseln zu vereinbaren.
Wegen der häufig wechselnden Aufträge der Airlines und der Lizenzvergaben der Flughäfen
wollen wir im Tarifvertrag eine Absicherung für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen
erreichen.

So, wie es in anderen Tarifverträgen längst geregelt ist. Wir wollen – wie bei einem
Betriebsübergang – dass im Falle von Auftragswechseln das neue Unternehmen die
Beschäftigten am Flughafen übernehmen muss. Dabei sollen die bisherigen Arbeitsbedingungen
gesichert werden. Der Branchentarifvertrag bietet erstmals die Chance dazu.
Diese Regelung, die es im Manteltarifvertrag für die Luftsicherheit gibt, würde allen
Beschäftigten mehr Arbeitsplatzsicherheit bringen, da man sich nicht alle paar Jahre wieder um
seinen Arbeitsplatz sorgen müsste. Diese größere Arbeitsplatzsicherheit würde zu einer größeren
Attraktivität der Arbeit bei den Bodenverkehrsdiensten beitragen.

Die Arbeitgeber lehnen diese Sicherheit ab. Offensichtlich wollen sie die Freiheit behalten, selbst
von Fall zu Fall zu entscheiden, ob sie Beschäftigte und welche Beschäftigten sie übernehmen.
Die Existenzängste unsererKolleginnen und Kollegen in den BVD Unternehmen erscheinen ihnen
dabei zweitrangig…

Auch wenn es mühsam und weiter schwierig bleibt – unser gemeinsames Ziel bleibt:
Wir wollen mehr Sicherheit, mehr Perspektive, mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen
bundesweit für alle Beschäftigten erreichen. Dafür kämpfen wir!

Die Verhandlungen werden in den nächsten Wochen und Monaten fortgesetzt. Dafür sind noch
weitere Verhandlungstermine vereinbart.

Wir werden Euch weiter berichten.
Eure ver.di Tarifkommission


2022_03_23_BVD_Info.pdf
(239,86 kB)

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