Pressemitteilung, ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg

Durch den Sturm „Niklas“ konnten sicherheitsbedingt tausende Gepäckstücke aus gelandeten Flugzeugen zunächst nicht entladen werden. Aber aufgrund hausgemachter Probleme auf den Berliner Flughäfen gestaltete sich die anschließende Identifizierung und spätere Zustellung der Gepäckstücke sehr problematisch. Eine der Ursachen für das Gepäck-Chaos liegt bei der Firma WISAG, die für den Gepäckservice und die Vorfeldarbeiten an den Berliner Flughäfen zuständig ist.

Im Januar 2015 kündigte die WISAG fast 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihres Tochterunternehmens „Aviation Passage Services Berlin(APSB)“. Bis zum 31. März 2015 war ein Teil dieser Beschäftigten noch für den Bereich Lost & Found zuständig, die sich um liegengebliebene und fehlgeleitete Koffer in Tegel und Schönefeld kümmerten. Jetzt haben neu gegründete WISAG-Unternehmen die Aufgaben übernommen. Der Zweck dieser neuen Unternehmen ist das Lohndumping, um so Dienstleistungen zu verbilligen. Langjährig Beschäftigten, die qualifiziert und erfahren sind, wurde gekündigt und sie wurden unwiderruflich von der Arbeit freigestellt. „Die schnellste und damit auch für die Kunden beste Lösung wäre es, die Kündigungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzuheben. Die WISAG könnte so zeigen, dass sie Fehlentscheidungen des Managements, die voll zu Lasten der Kunden gehen, korrigieren und es im Unternehmen nicht nur auf dem Papier einen hohen Serviceanspruch gibt“, sagte Enrico Rümker, zuständiger ver.di-Gewerkschaftssekretär.

Aktuell befinden sich noch 180 Beschäftigte in gekündigten Arbeitsverhältnissen. Erfahrene und über Jahre engagierte Kolleginnen und Kollegen, wurden bis zur Erreichung der entsprechenden gesetzlichen Kündigungsfristen freigestellt. Sie wurden entlassen, weil Sie dem Unternehmen WISAG zu teuer waren und man sich durch Entlassungen der im Tarifvertrag verbrieften Zusagen entledigen wollte. Die gekündigten APSB Beschäftigten erhalten für bis zu 40 Jahren Betriebstreue und Einsatzfreude lediglich Abfindungen von insgesamt 2.000 bis maximal 3.500 € Brutto.

Bis 2008 waren die Serviceleistungen an den Berliner Flughäfen in öffentlicher Hand. Durch die Privatisierungspolitik des Senats wurden diese Aufgaben an Privatfirmen wie die „WISAG“ vergeben. Inzwischen ist ein fast unübersehbares Netz von Firmen und Tochterunternehmen für die Servicedienstleistungen zuständig. Konkurrenzkämpfe und Lohndumping gehen nicht nur zulasten der Beschäftigten, sondern – wie das aktuelle Beispiel zeigt – kann die Qualität der Dienstleistungen nicht mehr gewährleistet werden.

Für Rückfragen:
Enrico Rümker,
ver.di-Gewerkschaftssekretär,
mobil: 0171 / 338 32 88.

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