Das Bodenpersonal am Flughafen Hannover stellt überwiegend die AHS – eine Tochterfirma des Flughafens, der wiederum zu 70 Prozent Stadt und Land gehört. Doch die Zustände dort lassen Verdi von Sozial-Dumping sprechen. Jetzt wird für bessere Bedingungen gekämpft.


HANNOVER. Das gleiche Gehalt wie 2001. Oder: Das gleiche Gehalt, nur statt 140 jetzt 200 Stunden im Monat, dazu überwiegend Nachtschicht – „Weil es sonst nicht über die Runden reicht.“ Und alles mit gleicher Mannschaftsstärke bei einer binnen zehn Jahren 30 Prozent gestiegenen Passagierzahl – also erhöhter Arbeitsdichte. Jetzt reicht es den Beschäftigten der AHS am Flughafen Hannover (und andernorts): Sie wollen mehr Geld, mehr Kollegen, generell bessere Bedingungen – und fordern daher einen Tarifvertrag.

Wer in Urlaub oder sonstwohin fliegt, sieht sie: Die Menschen hinter den Check-In-Schaltern etwa, die beim Boarding, die an der Gepäckausgabe, die am Ticket-Schalter: Sie sind das Bodenpersonal, stehen in der Regel nicht (mehr) im Dienst einer Fluggesellschaft – denn das Geschäft macht die AHS (Aviation Handling Service) billiger. Und diese Servicefirma gehört sieben deutschen Flughäfen, die größten Gesellschafter sind Hannover (29,75 Prozent) und Hamburg (27,75). Und wie diese Firmen ihre Beschäftigten behandeln, ist aus Sicht der Gewerkschaft Verdi „nicht sozial verträglich“. So betrage der Gehaltsunterschied zu den „normalen“ Flughafenangestellten, für die der Tarifvertrag Öffentlicher Dienst gilt, bis zu 40 Prozent. Viele der etwa 160 bis 180 AHS-Mitarbeiter in Hannover erhielten nur den Mindestlohn von jetzt 8,84 Euro je Stunde – und bei unter 13 Euro sei dann schon Ende (außer man kommt in eine Leitungsfunktion). Verhandlungsführerin Katharina Wesenick vom Verdi-Bundesvorstand sagt: „Das ist Sozial-Dumping mit Duldung der öffentlichen Hand, wenn nicht gar in deren Auftrag!“ Denn der Airport Hannover, der Dank der Eignerstruktur der AHS vorgeben könnte, was Sache ist, gehört zu je 35 Prozent der Stadt und dem Land.

Eine langjährige AHS-Mitarbeiterin sagt: „Die haben lange von unserer Loyalität gelebt – jetzt ist ein Wendepunkt erreicht!“ Und fügt hinzu: „Wissen Sie, wie bitter das ist, wenn man jeden Tag Menschen in den Urlaub in die Sonne schickt - und wenn man dann selber Urlaub hat, sich das nicht leisten kann?“


Die Kernforderungen: zwei Euro mehr Stundenlohn für alle, eine Entgelttabelle, die Qualifikation und Beschäftigungszeit berücksichtigt, ein 13. Monatsgehalt, mindestens 27 Urlaubstage und Überstundenbezahlung (bisher erst ab der 165. Überstunde). Der AHS wurden die Tarifforderungen übermittelt – am 25. September findet die erste Verhandlungsrunde statt.

Die AHS und der Flughafen haben sich auf Anfrage nicht zum Thema geäußert.

Von Ralph HÜBNER

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