ver.di Vertrauensleute Hamburger Flughafen

"Wir sind nicht Schuld am Kofferchaos"

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Hamburg, 5. September 2017 – Pressemeldung 63/2017

Bodenverkehrsdienste Hamburger Flughafen

Protest der Flughafenbeschäftigen - Offener Brief an Olaf Scholz

Am heutigen Dienstag wurde von den Vertrauensleuten der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) am Hamburger Flughafen ein offener Brief an Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz geschickt. In dem Brief beklagen 330 Beschäftigte der Flughafentochter GROUNDSTARS, dass sie personell unterbesetzt sind und zunehmend unter Dauerstress und Zeitdruck arbeiten müssen. Die Beschäftigten, die zu den Bodenverkehrsdiensten (BVD) zählen, sind unter anderem für das Be- und Entladen der Flugzeuge und die Gepäckabfertigung zuständig.

In dem Brief weisen die Unterzeichner außerdem die Schuld am „Kofferchaos“ in diesem Sommer am Hamburger Flughafen deutlich zurück. Ursache für die langen Wartezeiten der Passagiere auf ihr Gepäck sei ein grundsätzlicher Personalmangel bei den BVD. Dieser wird durch eine hohe Krankenquote, die aus der erhöhten Arbeitsbelastung entsteht, noch verschärft. Daher fordern die Beschäftigten in ihrem Brief an Olaf Scholz, schnell für mehr Personal bei den BVD zu sorgen. Eine höhere Entlohnung und verbesserte Arbeitsbedingungen seien dafür eine Voraussetzung. Die Unterzeichner des Briefes sehen die Freie- und Hansestadt Hamburg direkt in der Pflicht, da die Stadt mehrheitlich an der Flughafen Hamburg Gesellschaft (FHG) beteiligt ist, die wiederum die Muttergesellschaft der BVD-Unternehmen ist.

Bereits Anfang des Jahres wurde ein Tarifabschluss von ver.di für 850 Beschäftigte der BVD-Unternehmen GROUNDSTARS, STARS und CATS am Hamburger Flughafen erzielt. Obwohl es dabei z. B. in der Gepäckabfertigung zu Lohnerhöhungen von bis zu 12 Prozent im Jahr 2018 gekommen ist, wird am Hamburger Flughafen im Bundesvergleich immer noch sehr schlecht bezahlt.

„Die vereinbarten Tariferhöhungen können nur ein Einstieg gewesen sein. Wir brauchen dauerhaft und grundsätzlich eine Aufwertung der Arbeits- und Lohnbedingungen bei den BVD-Unternehmen, am besten bundesweit über einen Branchentarifvertrag“, sagt Torsten Ballhause, Leiter des Fachbereichs Verkehr bei ver.di Hamburg. „Das dringend benötigte Personal wird nur dann gewonnen, wenn der körperlich anspruchsvolle Job an der Rampe auch attraktiv ist.“

Bei den Bodenverkehrsdiensten am Hamburger Flughafen arbeiten insgesamt rund 1200 Beschäftigte. Dazu gehört auch das Unternehmen Aviation Handling Service (AHS), das für die Passagierabfertigung zuständig ist. Hier wurde in diesem Sommer öffentlich bekannt, dass ein erhöhtes Aufkommen von Überlastungsanzeigen der Beschäftigten zu verzeichnen ist. Deshalb fordert ver.di gemeinsam mit dem Betriebsrat auch für die AHS deutliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und eine Aufstockung des Personals.


Der offene Brief an Olaf Scholz zum Runterladen: http://verkehr-hamburg.verdi.de/


Offener Brief an den Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg

Wir sind nicht Schuld am Kofferchaos!


Offener Brief an den Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg
Wir sind nicht Schuld am Kofferchaos!

Sehr geehrter Bürgermeister Scholz,
in den Medien ist gerade viel die Rede vom „Kofferchaos“ am Airport Hamburg.

Wir - Beschäftigte Ihrer Flughafentochter GroundStars - arbeiten seit Jahren mit zu wenig Personal.
Lange haben wir das z. B. durch freiwillige Mehrarbeit ausgeglichen und viele von uns gehen seit Jahren körperlich an ihre Grenzen.
Jetzt sind wir an einem Punkt, wo diese Grenzen überschritten sind und unsere Gesundheit massiv in Gefahr gerät.

Immer weniger Leute müssen immer mehr leisten. Das macht uns krank und führt zu Dauerstress und Zeitdruck. Die ständige Schichtplanerweiterung macht eine planbare Freizeit oft unmöglich. Wir nehmen den Stress auch mit nach Hause und unser Privatleben leidet massiv.

In einzelnen Schichten sind bis 30% von uns krankgeschrieben, wodurch wiederum der Druck auf diejenigen steigt, die zur Arbeit gehen. Ein Teufelskreis.

Wir wollen deutlich klarstellen: Wir sind nicht schuld am Kofferchaos!
Wir bitten Sie: Stellen Sie so schnell es geht mehr Personal ein. Denn der Stadt gehört ja die Mehrheit des Flughafens Hamburg.

Sorgen Sie für attraktivere Arbeitsbedingungen und eine bessere Entlohnung, damit neues Personal auch kommt und dauerhaft bleibt und der Satz „Hamburg – Stadt der Guten Arbeit“ auch bei uns zur Realität wird.


Hamburg, im August 2017
Eine Initiative der ver.di Vertrauensleute am Flughafen Hamburg
unterschrieben von 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der GroundStars GmbH & Co KG am Hamburger Flughafen

V. i. S. d. P.: ver.di Hamburg, Fachbereich Verkehr, Fachgruppe Luftverkehr, Besenbinderhof 60, 20097 Hamburg, T. Ballhause